Im folgenden möchte ich euch davon berichten, was sich vom 2. bis 4. Messidor
des Jahres 211 in Plancenoit zugetragen hat.
Am späten Freitagnachmittag fand sich unsere Einheit auf einer Kuhwiese in Sichtweite der Kirche von Plancenoit zusammen. Leider kam die erwartete Sollstärke nicht zusammen, aber dennoch waren wir fünf tapfere Grenadiere (Élève, Délicat, Doigt de fer, Ours Vélu, Rôtisseur) unter der erfahrenen Führung des Sergent Sans-Souci und des Caporal Champagne.
Froh gestimmt wurde alles beschafft, was zur Errichtung des Lagers benötigt wurde. Jedoch erwies sich dies als nicht einfaches Unterfangen. Es mangelte schon bald an Stroh und Feuerholz, weshalb wir den Bauern des nahen Gehöftes unter Androhung schlimmster Drangsal ... baten, uns mit seinen Vorräten auszuhelfen. Das Holz reichte nun immerhin, um noch am nächsten Mittag die Nudeln halbgar werden zu lassen. Stroh wurde schließlich in einer ziemlichen Menge herbeigeschafft, so daß es sogar - mit einer Decke getarnt - als Tisch dienen konnte, auf den wir unsere Vorräte drapierten. Doch leider war der Strohmangel allgemein, und unter Murren (daher der Name Grognards) unserer Grenadiere mußte der "Erntedanktisch" aufgelöst werden.
Der nächste Tag begrüßte uns mit herrlichem Sommerwetter, welches uns für den Nachmittag ein wahrhaft heißes Gefecht versprach. Zunächst aber mußte exerziert werden. Mit der 113. Halbbrigade und der 19. maltesischen bildeten wir ein Peloton von rund 40 Mann, eingeteilt in zwei Sektionen. Zwei Stunden lang lösten wir uns in Sektionen auf, bildeten wir wieder die Linie und versuchten ständig den hektisch marschierenden Italienern hinterherzuhasten, was den Pelotonchef schließlich veranlaßte, uns im "pas d´école" gehen zu lassen, also janz langsam! So gelang es uns schließlich mehr schlecht als recht die Conversionen in einem einigermaßen normalen "pas ordinaire" hinzulegen.
Es wurde abgekocht, und bald zeigte die Kirchturmuhr zwei Stunden nach Mittag. Wir rückten aus dem Lager ab und zogen ins Gefecht, das heißt zuerst in den nächsten Schatten, wo wir - dem höchsten Wesen sei Dank - eine geraume Zeit verweilen durften, bevor wir auf das offene Feld traten und und Richtung Frichermont marschierten. Die sengende Sonne und der aufgewirbelte Staub des Weges ließen unsere Kehlen schnell trocken werden, was das Singen enorm erschwerte.
Doch dann hektisches Kommandieren, verschiedene Manöver und der Feind stand uns gegenüber. Frisch geladen und eine Pelotonssalve gegeben, bald war der Feind im Rückzug begriffen. Auf unserer Seite erweckte die Salve - und alle späteren - den Eindruck, man habe noch zusätzlich zur allgemeinen Hitze eine riesige Backofentür geöffnet, aus der noch mehr Gluthitze entströmte.
Wir folgten dem Feind durch ein Waldstück, an dessen Ende sich rechter Hand eine ansteigende Ebene auftat, wo sie schon alle versammelt standen: die Niederländer, die Legion und natürlich die Engländer. Beherzt griffen wir an und drängten sie zurück, unterstütz durch die im nahen Wald plänkelnde 9. Leichte. Unser Elan war dergestalt, daß der vor allen hervorzuhebende rechte Flügel der 2. Sektion (die 22e) eine Abteilung Engländer über den Haufen rannte und zu Boden warf, bereit, auch die Hauptlinie der Feinde zu durchbrechen. Leider erfolgte der Rückzugsbefehl, worauf sich alles in Auflösung zur Flucht wandte.
Am Rande eines Waldes sammelten wir uns und traten schließlich aus ihm hervor.
Hier bot sich uns ein einmaliges Schauspiel: eine tiefe Senke trennte uns von
unseren Feinden, die auf dem gegenüberliegenden Höhenzug versammelt standen.
Aber auch wieder das gleiche Spiel: voller Mut drangen wir auf die Niederländer ein, aber wieder erfolgte der unselige Rückzugsbefehl, als wäre eine höhere Macht dagegen, daß die Franzosen auf diesem Gelände die Lorbeeren erringen sollten, die ihrem Mut und ihrer Tapferkeit zugestanden hätten.
Ein müder Rückzug durch die malerischen Felder unter einem stahlblauen Himmel fand sein Ende in Plancenoit an einem, nein, nicht an einem feindlichen Karree, sondern an einem EIS-Wagen, an dem uns unser Sergent in überaus dankenswerter Weise ein Eishörnchen zur Belohnung spendierte. Also gab es doch eine höhere Gerechtigkeit auf diesem verdammten Schlachtfeld.
Gekrönt wurde der Tag von einem köstlichen Mahle, zubereitet von unserer allseits geschätzten Bettina M., die mit wahrer Hingabe ein Lachsnudelgericht für die auf dem Schlachtfeld ermatteten französischen Grenadiere zauberte. So gestärkt konnten die 22er den Abend noch bis lange nach Mitternacht in Plancenoit verbringen.
Der dritte Tag brachte erneut ein Gefecht, an dem die 22e allerdings nicht bis zum Ende teilnahm, da andere Aufgaben erforderlich machten, daß diese Einheit geschont und aus der Schlacht abgezogen wurde, so daß sie auch in Zukunft weiteren Schlachten ihren Stempel aufdrücken kann.
Sollten wichtige Details vergessen worden sein, so bittet der Verfasser um Nachsicht und heißt jede Ergänzung willkommen.
Salut et Fraternité
Doigt de fer